Wie ich zum Glauben kam

Kindheit

Ich wurde in die katholische Kirche hineingetauft und war somit praktisch seit der Geburt Mitglied derselben. Natürlich feierte ich dann nach dem entsprechenden Relgionsunterricht auch die Erstkommunion und Firmung. Bereits vor der Firmung hatte ich eine rechte Ablehnung gegen alles, was mit Kirche und so weiter zu tun hatte. Deshalb wollte ich die Firmung eigentlich gar nicht vollziehen, liess mich aber schlussendlich überreden. Finanziell lohnte sich dieser Entscheid dann auch... ;-)

Schule und Beruf

Nach sechs Primar- und zwei Sekundarschuljahren wechselte ich an die Kantonsschule (der Abschluss der Kantosschule bescheinigt die Hochschulreife in der Schweiz). Bedingt durch meine Lernfaulheit entwickelte sich ein sehr grosser Leistungsdruck. Deswegen und auch wegen diversen anderen Problemen fiel ich in ein tiefes Loch.

Nach einem Jahr wechselte ich an eine Informatikschule. Da war ich einer der besten Schüler und wurde dadurch in meinem Selbstvertrauen gestärkt. Somit nahmen auch die psychischen Probleme ab. Ich lebte in dieser Zeit für und von dem Computer. Der Tagesablauf sah ca. wie folgt aus: Aufstehen, Zug fahren inklusive Lektüre von Fachbüchern, Schule, Essen/Programmieren/PC-Games, Schule, Zugfahrt mit Lektüre von Fachbüchern, Essen, Computer, Schlafen. Nach diesem Informatikjahr begann ich eine Lehre als Applikationsentwickler (=Programmierer), wo es ähnlich weiter ging.

Kontakte mit dem Christentum

Ich war in meinem zweiten Lehrjahr, als ich mit einer Bekannten aus der Kantonsschule wieder Kontakt knüpfte. Diese lud mich für das Neujahr in ein Skilager ein. Die Einladung war noch mit der Bemerkung "Achtung, das Lager ist christlich" versehen. Naja, das schreckte mich nicht ab und so war ich bei dem Lager dabei. Was ich da sah war zum grössten Teil ganz neu für mich ("Ui, die sind ja ganz altmodisch. Da schlafen Frauen und Männer noch in getrennten Zimmern"). Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, etwas von diesem Jesus zu erfahren.

Auseinandersetzung mit dem Glauben

Eines der Hauptprobleme noch während dem Lager war für mich die Sündenvergebung. Mein damaliges Fallbeispiel: "Ein Mann bringt jemanden um. Danach bittet er Jesus um Vergebung - und natürlich wird ihm vergeben. Er geht eine Woche später hin und bringt wieder jemanden um. Abermals bittet er um Vergebung und es wird ihm vergeben. So geht's einige male weiter. Am Schluss kommt er in den Himmel, weil er ja Christ war. Ist das gerecht?" Falls du schon Christ bist: Versuch die Frage zu beantworten. Falls du noch nicht Christ bist: Stell die Frage mal einem Christen. Die meisten haben sich sowas noch nie überlegt...

Tja, auch meine Bekannte war mit der Frage überfordert und wusste nicht so recht, was sie antworten sollte. Das Problem wurde flugs einem anderen Teilnehmer des Lagers dargelegt. Dieser forderte mich heraus: "Patrice, lies doch einfach mal selber in der Bibel". Ich lese und lass leidenschaftlich gerne. So geschah's, dass ich mich am Abend zurückzog und die Evangelien von Matthäus und Markus durchlas. Natürlich warfen diese viele Fragen auf. So schrieb ich mir Fragen und Widersprüche auf um die darauf mit den Christen zu besprechen.

Nun diskutierten wir stundenlang bis weit in die Nacht hinein meine Fragen. Dabei lernte ich vieles. Einige Fragen blieben jedoch zumindest vorerst noch offen. Doch nach dem Lager war zumindest eines klar: es wird nicht bleiben wie bisher. Was mich besonders beeindruckte: die Leute nahmen sich Zeit für mich. Es ging ihnen nicht darum, mich mit "billigen" Antworten schnell abzufertigen sondern gingen wirklich auf meine Fragen ein.

Sektenverdacht

Vor, während und nach dem Lager überlegte ich mir immer wieder, ob das wohl eine Sekte sei in deren Fänge ich zu geraten drohte. Sorry, aber "Evangelisch-methodistische Kirche" (EMK) tönt nunmal irgendwie komisch und auch gibt es in der Schweiz leider sehr viele gefährliche Sekten. Ich achtete deshalb genau auf Sektenmerkmale à la Kein Austritt möglich, Guru, Beeinflussung, und anderes. Alles, was mir komisch vorkam schaute ich mir genau an. Auch Internetseiten von Sektenberatungen habe ich angeschaut. Nachdem mir nichts schlimmes auffiel und ich auch bei den Sektenberatungen keine Erwähnung fand, wurde ich langsam offener.

Bekehrung und Taufe

Nach dem Lager habe ich recht schnell (trotz noch nicht ganz ausgeräumten Sektenverdacht) die Jugendgruppe der Gemeinde besucht. Irgendwann zwischen dem Lager und dem Skilagernachtreffen (also zwischen 1. Januar und ca. März 2001) traf ich eine definitve Entscheidung für Jesus. Das wird dann allgemein als "Bekehrung" bezeichnet. Das war für mich jedoch nicht ein Schlüsselerlebnis, weshalb ich auch kein genaues Daten nennen kann.

Erst im September 2003 liess ich mich dann taufen. Ich hatte mir schön länger überlegt, mich nochmals taufen zu lassen. Denn in der Bibel gibt es keine Säuglingstaufe sondern da werden mündige Erwachsene getauft. Als wir dann im Hauskreis (ein Hauskreis ist eine Versammlung von Christen, normalerweise in Privaträumen) mal auf das Thema zu sprechen kamen vereinbarten wir, die Taufe im Rahmen des Hauskreises durchzuführen.

Heute

Zu dem Zeitpunkt an dem ich diesen Text schreibe, bin ich seit ca. zweieinhalb Jahren Christ. Ich kann wahrhaftig bezeugen, dass ich durch Jesus Christus ein neuer Mensch bin (2. Korinther 5, 17). Von meiner Depression, Einsamkeit und Computersucht bin ich geheilt - um nur einige zu nennen.

Auch durch schwierige Zeiten, die natürlich vorhanden waren, hat Gott mich sehr zuverlässig begleitet. Immer wieder gab er mir genau zur richtigen Zeit die entsprechenden Leute auf den Weg, die entsprechende Bibelstelle bzw. ein Buch zum Lesen, etc. Ich verstehe leider nicht viel von Wahrscheinlichkeitsrechnungen, sonst wäre es mir vielleicht möglich, mathematisch nachzuweisen, dass es sich nicht einfach um Zufall handelt.

Sollten zu meinem Glauben irgendwelche Fragen sein, kannst du mich gerne per E-Mail kontaktieren.