Katholizismus
Patrice Neff
webmaster@patrice.ch
18. Mai 2002
In diesem Text versuche ich den katholischen Glauben möglichst kurz
zu beschreiben.
Ich habe diesen Artikel aus einer persönlichen Motivation geschrieben.
Und zwar bin ich sogenannt katholisch aufgewachsen1,
und dann mit 17 Jahren zum Glauben an Jesus Christus2 gekommen. Dann musste ich mich damit auseinandersetzen, ob ich
weiterhin in der römisch-katholischen Kirche bleiben sollte oder
nicht. Da ich in einer Kirche mit protestantischen Wurzeln zum Glauben
gekommen bin, habe ich in diesem Text öfters die katholischen mit den
protestantischen Glaubensinhalten verglichen.
Es ging mir bei dieser Arbeit aber ganz klar nicht darum die
Glaubensinhalte zu bewerten. Im Gegenteil wollte ich ein möglichst
kurzes und neutrales Werk erstellen, das zur Information über die
katholische Lehre dienen kann. Es ist mir jedoch klar, dass dies nicht
100% gelingen kann. Über Feedback freue ich mich natürlich immer und
ich werde auch versuchen darauf einzugehen.
Es gibt fünf bekannte christliche Konfessionen. Die Wurzeln gehen
dabei alle zurück auf die katholische Kirche, von welcher sich die
anderen vier Konfessionen im Lauf der Geschichte abgespaltet haben.
- Katholizismus
- Protestantismus
Rückbesinnung auf Evangelien, sehr viele Reformen.
- Orthodoxie
Trennung durch Machtanspruch des Papstes, ansonsten katholischer
Glaube (siehe Abschnitt 4.2).
- Anglikanismus
Katholischer Glaube, aber nicht der Papst als Oberhaupt.
- Altkatholische Kirche (Schweiz: Christkatholische Kirche)
Abspaltung nach dem 1. Vatikanischen Konzil (siehe Abschnitt
4.3).
Erst will ich kurz auf die Gemeinsamkeiten der Konfessionen eingehen.
Folgende Punkte treffen auf alle genannten Konfessionen zu.
- Jesus als Erlöser
Alle halten daran fest, dass Jesus der von Gott gesandte Erlöser der
Menschen ist.
- Dreieinigkeit
Die Dreieinigkeit (Gott, Jesus und Heiliger Geist sind eine Person)
wird von allen Konfessionen anerkannt und gelehrt.
- Bibel als Grundlage
Alle Konfessionen stützen sich auf die Bibel, insbesondere das neue
Testament.
Ich betrachte nun speziell die Inhalte des katholischen Glaubens und
stelle teilweise die Unterschiede zum protestantischen Glauben dar.
Die meisten der aufgelisteten Inhalte der katholischen Lehre treffen
auch auf die anderen von der katholischen Kirche abgespaltenen
Konfessionen zu. Alle Konfessionen zu vergleichen würde für diese
Arbeit jedoch zu weit gehen, ich werde ich nur vereinzelt auf die
anderen Konfessionen eingehen.
Der Katholizismus basiert auf diese drei Säulen[5]:
- Schrift
- Tradition
- Lehramt (Papst + Konzile)
Dabei sind alle drei Säulen gleichbedeutend und werden bei
individuellen Entscheidungen gleichermassen berücksichtigt.
Hierarchie / Papst
Das Papstamt (Auch der ,,Bischof von Rom'') spielt eine wichtige Rolle
in der katholischen Kirche. Der Papst ist das wichtigste Organ der
römisch-katholischen Kirche. Noch heute haben seine Worte in der Welt
einen grossen Einfluss. Doch wie ist das Papstamt entstanden?
- Papstamt entstand langsam im 4. Jahrhundert
- Machtdemonstration von Rom
- Bischof Julius (337-52) erklärt Rom zur Appelationsinstanz
- Bischof Siricius (384-99) nennt sich ,,Papst'' und verhält
sich ähnlich wie der damalige römische Kaiser. D.h. er beantwortet
Anfragen von anderen Kirchen mit so genannten ,,Decreta'' und
,,Responsa''. Er versucht sich also von den anderen Bischöfen
abzugrenzen.
- Bischof Innozenz (401-17) verlangt, dass jede wichtige
Entscheidung von Rom bestätigt wird
- Bischof Bonifaz (418-22) erklärt seine Entscheidungen für
letztverbindlich
Die ,,Unfehlbarkeit'' wurde ca. im 14. Jahrhundert von einem Mönch
erfunden. Damals wurde diese Idee aber nicht ernst genommen. Im 19.
Jahrhundert haben die Päpste diese Idee jedoch neu aufgenommen. Im
Jahre 1870 erlässt das erste vatikanische Konzil unter der Leitung von
Papst Pius IX. zwei Papstdogmen:
- Herrschaft über jede Kirche und jeden Christen
Ein Christ ist nur dann ein Christ (d.h. auch nur dann gerettet),
wenn er den Papst als seinen Herrn annimmt.
- Unfehlbarkeit
Die Entscheidungen des Papstes sind von Gott eingegeben und können
nachträglich nicht mehr geändert werden.
Diese Entscheidung wurde von wichtigen Bischöfen abgelehnt und führte
zur Abspaltung der altkatholischen
Kirche.
Immer wieder wirft das Zölibat hohe Wellen. Aktuell (Frühling 2002)
werden Fälle von Kindesmissbrauch in der Schweiz und in Amerika durch
katholische Priester in der Presse thematisiert. Gemunkelt wird, dass
es vor allem durch das Zölibat zu diesen Missbräuchen kommt.
Das Zölibat ist zurückzuführen auf Aurelius Augustinus (354-430), der
den Begriff der Erbsünde einführte und argumentierte, dass jeder
ungetaufte Säugling unvermeidbar in der Hölle landet. Diese Aussagen
führten mit der Zeit dazu, dass die Sexualität verteufelt und später
das Zölibat eingeführt wurde.
Auch die Verweigerung der Frauenordination sticht immer wieder hervor.
Dies ist eine sehr umstrittene Frage. Die altkatholische Kirche hat
mittlerweile Frauen zu Priestern geweiht, hat aber einen sehr
langwierigen Prozess hinter sich. Zu diesem Thema fehlt mir das
Hintergrundmaterial, jedoch ist festzuhalten dass Jesus nicht
frauenfeindlich war und Frauen im Neuen Testament sogar eine weit
wichtigere Rolle spielen als in der damaligen Zeit üblich.
Die Heiligenverehrung ist eine wichtige Komponente der katholischen
Lehre. Was beinhaltet dieser genau?
Die katholische Kirche geht davon aus, dass die irdische und die
himmlische Kirche eine Einheit bilden. Daraus ergibt sich, dass
lebende Menschen für verstorbene Christen beten und diese auch um
Hilfe anrufen können. Umgekehrt beten die verstorbenen Menschen auch
für die Mitglieder der irdischen Kirche.
Heilige sind nun besondere verstorbene Menschen, die sich entweder
durch einen ausserordentlichen Glaubenseifer oder ungewöhnliche Werke
der Nächstenliebe hervorgetan haben. Die Heiligsprechung ist ein
langwieriger Prozess, in welchem der Vatikan genaue Untersuchungen
durchführt. Ist ein Mensch einmal heilig gesprochen, darf dieser
verehrt - jedoch nicht angebetet - werden. Soweit jedenfalls die
offizielle Version. Sprachlich macht dies keinen Unterschied. Heilige
dürfen auch um Fürsprache angerufen werden. Der Sinn dahinter ist, den
Heiligen dazu zu bewegen für jemanden ein gutes Wort bei Gott
einzulegen.
Maria hatte als Jesus' Mutter zweifellos eine ausserordentlichen
Rolle. Dies wird wohl von allen Konfessionen so gesehen. Die
katholische Kirche verehrt nun Maria als Mutter Gottes3, glaubt an ihr unbeflecktes
Empfängnis4 und an ihre leibliche Aufnahme in den Himmel, sie
musste also nicht durch das Fegefeuer.
Das Fegefeuer ist ein weiteres Element, welches in der katholischen
Lehre vorkommt. Es beinhaltet den Glauben, dass jeder verstorbene
Mensch nach seinem Tod durch das Fegefeuer kommt. Diese Zeit kann
verkürzt werden, wenn für diesen Verstorbenen gebetet wird.
Interessant ist auch, dass das Dogma des unbefleckten Empfängnis von
Pius IX. zur Demonstration seiner Macht aufgestellt wurde (siehe auch
Abschnitt 4.3).
Sakramente sind heilige Handlungen. Auch die Protestanten kennen
Sakramente, jedoch nur zwei der ursprünglich sieben5.
Andere Handlungen werden von den Protestanten als religiöse Handlungen
ohne heiligen Charakter eingestuft.
Durch die Taufe wird ein Kind den Mächten der Welt entzogen. Dabei
wird ein ,,kleiner Exorzismus'' durchgeführt. Die Taufe verpflichtet
die Eltern dazu, das Kind nach christlichen Werten zu erziehen.
Die Taufe ist das einzige Sakrament, das sowohl von den Katholiken als
auch von den Protestanten anerkannt wird. Einzige Bedingung ist, dass
sie ,,ordentlich'' durchgeführt wurde.
In der Bibel hat die Taufe einen anderen Charakter als heute von den
grossen Konfessionen gelehrt. Da ist sie als persönliches und
sichtbares Bekenntnis zu Jesus beschrieben. Als der Katholizismus zur
Staatsreligion von Frankreich aufstieg, wurde die Säuglingstaufe
eingeführt. Nun wollte man aber das persönliche und offizielle
Glaubensbekenntnis der Menschen nicht abschaffen. Deshalb wurde mit
der Firmung ein weiteres Sakrament eingeführt, welches dem Menschen
die Möglichkeit gibt, in einem mündigen Alter die Taufe zu bestätigen.
Für die Katholiken ist die Eucharistie eine Wiederholung der
Kreuzigung Jesus. Dabei werden Brot und Wein in Leib und Blut Christi
verwandelt. Dies steht im Gegensatz zu der Auffassung der Protestanten
bei welchen das Abendmahl lediglich eine Erinnerung an den Kreuztod
ist. Die Eucharistie wurde lange nur von Priestern
eingenommen6, heute nimmt jedoch die ganze
Gemeinde daran teil.
Bei der Busse geht es darum sich nach erfolgten Sünden mit Gott wieder
zu versöhnen. Dies geschieht durch ein Busswerk, welches der Priester
bei der Beichte festlegt. Dieses Werk konnte früher mit Geld beglichen
werden, und die Kirche nutzte dies in Form von
Ablasseintreibung aus. Ein grosser Teil
von Luthers 95 Thesen[4], handelt von diesen
Ablasseintreibungen.
Die Krankensalbung war früher unter dem Namen ,,Letzte Ölung''
bekannt. Dieser Name ist heute nicht mehr gerechtfertigt, da die
Krankensalbung seit dem zweiten vatikanischen Konzil mehrfach
gespendet werden darf.
Das Sakrament der Ehe darf nur einmal gespendet werden. Im weiteren
darf kein Mensch, welcher die Priesterweihe empfangen hat, eine Ehe
eingehen.
Die Priesterweihe befähigt zum Austeilen der Sakramente. Frauen dürfen
keine Priesterweihe empfangen.
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Messe noch auf
lateinisch gehalten. Zudem war die Anwesenheit der Gemeinde zur
Durchführung einer Messe nicht nötig. Sie wurde einzig geschätzt um
der Messe mehr Glanz zu verleihen. Das zweite Vatikanische Konzil hat
dazu beigetragen, dass die Kirchenbesucher sich der Kirche wieder
näher fühlen. Auch die Wiedereinführung der Eucharistie für die
Gemeinde hat dazu stark beigetragen.
Noch heute wird die alte Liturgie mit lateinischer Messe von vielen
Gemeinden gepflegt.
Martin Luther wollte eigentlich die katholische Kirche reformieren,
nicht jedoch eine neue Kirche gründen. Seine Hauptmotivation war, den
Ablass abzuschaffen. Er kritisierte in seinem 95
Thesen[4] vor allem den Reichtum des Papstes
und die Schröpfung der Gläubigen durch die Ablasseintreibungen (siehe
Abschnitt 4.7.4).
- 1
-
Martin Honecker and Hans Waldenfels.
Zu Gast beim anderen.
Bonifatius, 1997.
- 2
-
Katholizismus.
http://www.nua.de/html/katholizismus.htm.
- 3
-
Hans Küng.
Kleine Geschichte der katholischen Kirche.
BvT Berliner Taschenbuch Verlags GmbH, April 2002.
- 4
-
Martin Luther.
Luther's 95 thesen.
http://www.luther.de/leben/anschlag/95thesen.html.
- 5
-
Martin Schuck.
Basiswissen Evangelisch - Katholisch, page 57.
In [6], 2001.
- 6
-
Martin Schuck.
Basiswissen Evangelisch - Katholisch.
Gütersloher Verlagshaus, 2001.
- 7
-
Hans Jörg Urban and Wolfgang Wieland.
Was ist evangelisch, was ist katholisch?
Bonifatius, 1995.
Footnotes
- ... aufgewachsen1
- Was
heisst, dass ich getauft wurde, die Erstkommunion und die Firmung
empfangen habe und in der katholischen Kirche als Mitglied notiert
war. Die ganze Zeit über habe ich aber nicht an Jesus geglaubt.
- ... Christus2
- Ich
glaube also, dass Jesus Christus unser Erlöser ist, wir nur durch
ihn erlöst werden können und pflege eine persönliche Beziehung zu
ihm.
- ... Gottes3
- Jesus
war ja ,,ganz Mensch und ganz Gott''
- ...
Empfängnis4
- Das bedeutet, dass sie frei von jeglichen
Erbsünden ist.
- ... sieben5
- Diese
zwei anerkannten Sakramente sind Taufe und das Abendmahl. Luther
wollte ursprünglich auch die Busse als Sakrament beibehalten.
- ...
eingenommen6
- Dies hing vor allem damit zusammen, dass eine
grosse Angst davor herrschte, Brot zu beschädigen oder Wein zu
verschütten. Denn die Konsequenz aus dem Glauben an die Umwandlung
in Leib und Blut Christi ist ja, dass bei einem solchen Unfall der
Körper Jesus' beschädigt wird.
Patrice Neff
2003-05-25